Weiterer Anstieg der weltweiten Arbeitslosigkeit

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Swissinfo. Fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise wird die globale Arbeitslo­sigkeit 2013 laut Vorhersagen von Experten erneut deutlich ansteigen. Mangels Wirt­schaftswachstum muss mit zusätzlich 5,1 Millionen Menschen ohne Arbeit gerechnet werden.

Damit werde die Zahl der Arbeitslosen weltweit auf mehr als 202 Millionen steigen, warnt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in ihrem jüngsten Beschäftigungs­bericht. 2014 kämen wahrscheinlich noch drei Millionen weitere Arbeitslose hinzu. "Unsicher­heit über die konjunkturelle Entwicklung und die unzureichenden Gegenmassnah­men der Politik schwächen die Nachfrage und bremsen Investitionen und Neuein­stellungen", erklärte ILO-Chef Guy Ryder. "Die Schaffung neuer Arbeitsplätze ist rückläufig und die Dauer der Arbeitslosigkeit nimmt zu."

Banken sollen Kredite stellen

Die UN-Sonderorganisation forderte Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft auf, Arbeitslosigkeit entschlossener zu bekämpfen. Vor Europa stehe "die dringende Aufgabe eines effektiven Neustarts der Antriebsmaschinen für wirtschaftliches Wachstum". Dies gelte insbesondere für Problemstaaten wie Griechenland mit schrumpfenden wirtschaftlichen Aktivitäten.

Die ILO mahnt eine schnellere Umsetzung finanzwirtschaftlicher Reformen an. Der  Bankensektor müsse wieder erheblich stärker seiner wichtigsten Aufgabe nachkommen und Kredite für produktive Investitionen zur Verfügung stellen - besonders für mittelständische Unternehmen als wichtigster "Jobmaschine".

Trotz finanzpolitischer Gegenmassnahmen wie dem Euro-Rettungsfonds EFSF und dem Rettungsschirm ESM sowie ausserordentlicher Eingriffe in den Finanzmarkt durch die Europäische Zentralbank (EZB) habe sich das Wachstum in der Eurozone weiter verlangsamt. Dadurch seien die Arbeitsmärkte vieler Euroländer in eine schwere Notlage geraten.

Auch 2013 sei "die Krise in der Eurozone die grösste einzelne Gefahr für die globale Beschäftigungsentwicklung". Dabei schränke das Fehlen einer Fiskalunion in Europa Optionen zur Förderung des Wirtschaftswachstums in den am härtesten von der Euro-Schuldenkrise betroffenen Ländern ein, bemängelte die ILO.

Hohe Jugendarbeitslosigkeit

Als besorgniserregend und gefährlich für den Zusammenhalt ganzer Gesellschaften hebt die Organisation die hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen hervor. Derzeit seien weltweit etwa 73,8 Millionen junge Menschen ohne feste Stelle.

Die anhaltende Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit werde vermutlich bis 2014 eine weitere halbe Million Jugendlicher zu Arbeitslosen machen. Die durchschnittliche globale Arbeitslosenquote bei Jugendlichen, die 2012 auf 12,6 Prozent angewachsen sei, werde ohne entschlossene Gegenmassnahmen auf 12,9 Prozent im Jahr 2017 steigen.

Die Schweiz, Deutschland und Österreich gehören laut ILO zu jenen Staaten, denen es am besten gelungen sei, die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau zu halten. Hingegen habe die Rezession in einer Reihe von Euroländern die Jugendarbeitslo­sigkeit noch gefährlich weiter in die Höhe getrieben, mit mehr als 50 Prozent in Grie­chenland und Spanien sowie mehr als 22 Prozent im Durchschnitt der Euroländer. (sda-ats, 22. 01.2013)
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Rotes Kreuz alarmiert wegen wachsender Armut in Europa
 
Swissinfo / Die internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) hat wegen der wachsenden Armut in Europa Alarm geschlagen. Millionen von Europäern seien durch die Schuldenkrise in Armut gefallen. Immer mehr würden humanitäre Hilfe für sich beanspruchen.

"Leute, die vorher nie Hilfe gesucht haben, kommen nun auf uns zu. Viele schämen sich dabei, sind verzweifelt", sagte Anitta Underlin, Direktorin des europäischen Roten Kreuzes, an einer Medienkonferenz in Genf. Es seien fast alle europäischen Länder betroffen. 26 Millionen Bürger in den 27 EU-Mitgliedstaaten seien arbeitslos.

"Die Krise in den Jahren 2008 und 2009 konnte noch überwunden werden, da die Haushalte noch Reserven hatten", sagte Underlin. Die aktuelle Krise gehe viel tiefer. Je länger sie dauere, desto stärker bekämen sie die Schwächsten zu spüren.

Dramatischer Anstieg

Im vergangenen Jahr hat beispielsweise das spanische Rote Kreuz mehr als 1,2 Mil­lionen Direktbetroffenen der Wirtschaftskrise geholfen. Fürs laufende Jahr rechnet die Organisation mit 300'000 zusätzlichen Personen, die extrem von Armut bedroht sind.

Das französische Rote Kreuz spricht von einer Zunahme der Hilfeleistungen um 14  Prozent im vergangenen Jahr. Am dramatischsten sei der Anstieg aber in Griechenland, wo viele Menschen auf finanzielle, humanitäre oder psychosoziale Hilfe angewiesen sind.

"Bei uns ist mehr als ein Viertel der Bevölkerung arbeitslos. Fast 20'000 Menschen sind obdachlos. Wir müssen tagtäglich für Tausende von Menschen Nahrung besor­gen, sie ausliefern", sagte der Vizepräsident des griechischen Roten Kreuzes, Andreas Potamianos. 10'000 Freiwillige arbeiten für die Organisation vor Ort. Die vier Millionen Einwanderer sind laut Potamianos besonders gefährdet. (sda-ats, 30. 01.2013)

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